Mit dabei: Lisa Tegge vom Erlebnis-Kollektiv e.V. Rostock

Fürs Leben lernen: selbst gemachte Erfahrungen

Wer mit dem Erlebnis-Kollektiv e. V. unterwegs ist, reist nicht mit dem Bus-Shuttle an, muss das Brennholz fürs Lagerfeuer selbst sammeln, wahrscheinlich auch mal kochen und – für viele das Schwerste – ganz oder zumindest zeitweise aufs Handy verzichten. „Bei uns gibt’s nicht das Wohlfühl-Pauschalpaket, sondern echte Erlebnisse“, erklärt Lisa Tegge, die gerade mit Siebt- und Achtklässler*innen unterwegs war. Deren Schule hatte bei dem Verein eine Woche zum Thema „Herausforderung“ gebucht, was für die Jugendlichen bedeutete, die Komfortzone zu verlassen, unter anderem bei schlechtem Wetter zu paddeln, zu wandern und zu radeln. Natürlich waren Lehrer*innen dabei, aber die hatten Gelegenheit, die Schüler*innen aus einer anderen Perspektive zu betrachten und deren Persönlichkeit abseits von Deutsch, Mathe und Englisch kennenzulernen.

„Die Pubertät ist ein wichtiges Alter in der Entwicklung“, sagt Lisa Tegge. „Unser Verein will jungen Leuten das Werkzeug dafür mitgeben, dass sie die Welt nachhaltig gestalten können.“ Als Methode setzt man auf Erlebnispädagogik, auf authentische, selbst gemachte Erfahrungen, auf das Erleben von Gemeinschaft – nicht auf eingekaufte Events. „Für die gibt es viele Anbieter*innen“, weiß die Bildungswissenschaftlerin. „Bei uns steht die Pädagogik im Vordergrund. Jeder Thementag, jede Klassenreise wird individuell nach den Wünschen der Schule und Kinder konzipiert.“ Zur Vorbereitung gibt es ausführliche Gespräche über die Ziele: Soll die Klasse sich kennenlernen, soll ein Gemeinschaftserlebnis im Mittelpunkt stehen, soll 14-Jährigen statt Jugendweihe oder Konfirmation eine ,Lebenswendefahrt‘ angeboten werden?

Jenseits des Schulstoffs etwas fürs Leben lernen – ist das nicht Aufgabe der Eltern? „Der Familienalltag hat sich gewandelt. Viele Eltern können das nicht leisten, aus den unterschiedlichsten Gründen“, sagt Lisa Tegge. „Die Kinder können nichts dafür, dass das gesellschaftliche System gerade so ist. Wir helfen, die Lücke zu füllen.“

Auf dem Klima-Aktionstag lädt das Erlebnis-Kollektiv weder zum Paddeln noch zum Bogenschießen ein. „Wir wollen die autofreie Lange Straße erleben; mit anderen darüber ins Gespräch kommen, was Nachhaltigkeit und Bildung miteinander zu tun haben; gucken, ob wir mit anderen Projekten kooperieren können und vegane Waffeln anbieten“, freut sich Lisa Tegge auf den 16. September.

Infos zum Verein und Kontaktmöglichkeiten gibt es unter http://www.erlebnis-kollektiv.de

Text und Foto: Dörte Bluhm

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